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In der Luftfahrt versteht man unter Interoperability die Möglichkeit, Cockpitbesatzungen unterschiedlicher Flugbetriebe national oder auch länderübergreifend gemeinsam auf dem gleichen Fluggerät in unterschiedlichen Flugbetrieben einzusetzen. Diese Idee hat seit der Jahrtausendwende immer mehr Fahrt aufgenommen und ist mittlerweile fester Bestandteil des Geschäftsmodells vieler transnationaler Airlines. 

Wer dabei nur an Ryan Air oder EasyJet denkt, sollte sich im Klaren darüber sein, dass diese zwar sicherlich eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der transnationalen Ausrichtung ihrer Flugbetriebsstrukturen innehaben, aber längst nicht die Einzigen sind, die diese Entwicklung vorantreiben. So arbeitet z.B. auch eine TUI seit geraumer Zeit daran, Ihre Cockpitbesatzungen länderübergreifend in verschiedenen Flugbetrieben einsetzen zu können und auch im Lufthansa-Konzern werden fast alle Manuals mittlerweile so aneinander angepasst, dass ein schneller und unkomplizierter Austausch der Besatzung jederzeit möglich wäre.

Was zunächst vor dem Hintergrund vereinheitlichter europäischer Regularien im Luftverkehr harmlos und logisch erscheinen mag, stellt uns als Gewerkschaft und auch die Kolleginnen und Kollegen in den Cockpits vor große Herausforderungen. In den meisten Fällen werden unter dem Deckmantel der Interoperability die Arbeitsbedingungen tarifierter Flugbetriebe durch billigere oder gar untarifierte Tochtergesellschaften im In- oder Ausland unter Druck gesetzt. Im schlimmsten Fall kommen hierbei noch atypische Beschäftigungsverhältnisse hinzu, die es den betroffenen Kollegen fast unmöglich machen, sich zur Wehr zu setzen.

So ist zum Beispiel die skandinavische TUIfly, ursprünglich bestehend aus einer Lang- und Mittelstreckenflotte, durch die TUI Airways UK bis auf zwei verbleibende B-737 NG kannibalisiert worden. Auch wenn im Rahmen der Interoperability den skandinavischen Kollegen Arbeitsplätze auf britischem Fluggerät in Großbritannien angeboten wurden, bleibt festzustellen, dass die ursprünglichen Arbeitsplätze der Kollegen in Schweden mittlerweile fast alle verschwunden sind. Ähnliches wurde bei TUIfly Belgium und TUIfly Netherlands probiert. Auch dort wurde vor einigen Jahren damit begonnen, Besatzungen zu mischen, nachdem die Verwaltungsstrukturen bereits zusammengelegt wurden. Aufgrund großer kultureller Unterschiede zwischen den beiden Flugbetrieben und der damit einhergehenden Sicherheitsrisiken wurde das Projekt mittlerweile aber wieder eingestellt, bzw. auf ein Minimum reduziert.

Aber es gibt auch positive Beispiele. So ist es gelungen, Ryan Air-Piloten auf den Maschinen von Malta Air zu den gleichen Tarifbedingungen einzusetzen. Aber auch nur, weil durch die Zusammenarbeit der Gewerkschaften auf europäischer Ebene Ryan Air als Arbeitgeber gezwungen wurde, gleiche Tarifbedingungen zuzugestehen.

Hier kommen wir zum entscheidenden Punkt beim Thema Interoperability. Nur wenn den Gewerkschaften eine grenzübergreifende Zusammenarbeit gelingt, besteht die Möglichkeit, Interoperability auf transnationaler Ebene als Lohndumping-Modell zu verhindern. Hierfür sind länderübergreifende Formate für die Vertreter der organisierten Piloten zum Austausch und Abstimmung unerlässlich. Die VC stellt ihren Tarifkommissionen hierfür bereits seit vielen Jahren die notwendigen Mittel und Ressourcen zur Verfügung. Ein neuer Vorstand wird gefordert sein, diese Zusammenarbeit weiter zu intensivieren und unter dem Dach der ECA für politische Unterstützung zu werben und diese auch einzufordern. Hierfür sind Kenntnisse und Erfahrung über das Zusammenwirken von Verbänden und der Politik auf europäischer Ebene unerlässlich. Nur so können wir dauerhaft ein grenzübergreifendes Race to the Bottom verhindern.

Gut funktionierende demokratische Systeme stützen sich oft auf eine Verteilung der Macht. Was vereinfacht unter dem Begriff „Mehrkammersystem“ dargestellt wird, ist in der Praxis die Verteilung von Zuständigkeit auf verschiedene Gremien.

So auch in der VC: Der Vorstand ist verantwortlich für die politische Führung des Verbands. Er muss entscheiden, welche Schwerpunkte hier gesetzt werden und wie politische Ziele erreicht werden können. Er übernimmt außerdem die juristische Verantwortung für die Verbandsführung und für die Arbeitgeberrolle.

Die „Lufthoheit“ zu Tarifabschlüssen liegt ausdrücklich nicht im Bereich der Zuständigkeit des Vorstands, sondern bei den Tarifkommissionen. Nur in absoluten Ausnahmesituationen soll/kann der Vorstand hier eingreifen.

Darüber hinaus gibt es noch den Beirat, der eine wichtige Kontrollfunktion innerhalb des Verbands ausübt. Er hat direkten Zugang zum Vorstand und kann so dessen Aktivitäten direkt überwachen oder aber auch unterstützen.

Alle drei Gremien (Vorstand, TKs & Beirat) werden von den Mitgliedern direkt gewählt, wobei der Vorstand als Team antritt. So haben die Mitglieder in regelmäßigen Abständen die Möglichkeit, auf die Ausrichtung ihrer VC Einfluss zu nehmen.

Dieses Konstrukt ist nach der Verselbstständigung der VC im Tarifbereich aus den Erfahrungen der ersten Jahre gewachsen und angepasst worden. Dabei gab es teilweise hart geführte Diskussionen um die optimale Gestaltung, an die sich einige Mitglieder bestimmt noch gut erinnern.

Unsere tarifpolitische Situation war aber zu keiner Zeit in den letzten zwei Jahrzehnten mit der Situation heute vergleichbar. Wir hatten zwar mit z. B. Air Berlin große Einschnitte zu verkraften, aber nie war die Industrie als Ganzes so hart getroffen.

Für uns alle als Mitglieder dieses Verbands wird dies zur Reifeprüfung: Nicht gegeneinander, sondern miteinander Tarifpolitik gestalten! Es wäre der absolut falsche Weg, zusätzlich zu den ohne Frage vorhandenen Gräben zwischen den Beschäftigten verschiedener Arbeitgeber, noch weiter in Partikularinteressen zu verfallen und damit zwangsläufig mehr Angriffsfläche zu bieten.

Im Gegenteil: Wir müssen dringend dafür sorgen, dass das gegenseitige Verständnis innerhalb des Verbands wächst und ihn in diesen kritischen Zeiten stützt. Die schweren Aufgaben der kommenden Jahre werden wir nur schultern können, wenn wir uns nicht gegenseitig in den Rücken fallen.

Deshalb – macht von Eurem Wahlrecht gebraucht und stützt die Einigkeit der VC!